Weihnachten mit Hartz IV
vom 15.12.2006 18:43
Pressemitteilung
Weihnachten mit Hartz IV
Wolfgang Joithe
 | Verwundert blieben Passanten in der Mönckebergstraße im nachmittäglichen Weihnachtstrubel stehen:
Eine verkrüppelte kleine Tanne ohne Nadeln auf einem Bollerwagen versperrte ihnen den Weg.
Dahinter finstere Gestalten mit Sonnenbrille und Schlapphüten.
Auf Armbinden war zu lesen: „ARGE Prüfdienst“.
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Einem Flugblatt konnte der interessierte Leser entnehmen, dass es sich um „Sozialdetektive“ handelte, die zur Mitarbeit aufriefen:
Ein Arbeitslosengeld 2 – Bezieher kann sich keinen Weihnachtsbaum leisten. Der so genannte Regelsatz liegt nämlich schon 19 Prozent unter dem Existenzminimum (so der Paritätische Wohlfahrtverband).
Hat so ein „Schmarotzer“ und „Parasit“
(Wolfgang Clement, Minister a.D) dennoch einen frischen Weihnachtsbaum, dann muss einfach Missbrauch vorliegen. Den aufzudecken, dafür seien die „Sozialdetektive“ da.
Die Schlapphüte hatten Geschenke mitgebracht, die geschmackvoll unter dem nadellosen Tännchen drapiert waren. Auf den Paketen war zu lesen:
„Ein-Euro-Jobs, Nötigung, Willkür, Zwangsumzug, Zwangsarbeit“.
Auf Nachfrage stellten die „Sozialdetektive“ klar, dass es diese Geschenke für die „Kunden“ der „team.arbeit.hamburg“
(die sind für das Arbeitslosengeld 2 zuständig) immer gibt, nicht nur zu Weihnachten.
„Eine gelungene Aufklärungsaktion der Sozialdetektive“ sagte Wolfgang Joithe, Mitbegründer von „PeNG! Aktive Erwerbslose und Geringverdiener“
(www.peng-ev.de) dazu, der die Idee zu dieser Aktion hatte.
„Ohne die vielen Mithelfer unter anderen vom Sozialforum Eimsbüttel (Flugblatt) und dem Erwerbslosenrat der Gewerkschaft ver.di wäre das nicht möglich gewesen. Dabei hat uns natürlich enorm motiviert, dass wir alle schon so nett von der ARGE SGB II Hamburg beschenkt wurden“.
Dann fügte er hinzu:
„Wir wünschen allen ARGE-Mitarbeitern, die sich im zu Ende gehenden Jahr besonders schikanös um uns gekümmert haben, dasselbe, was sie uns beschert haben: ein trauriges Weihnachten.“
Sprach`s und verschwand mit seinem Schlapphut in der Menge – unermüdlich im Dienste der Aufklärung.